Ich bin Simon Baumgartner, 26 Jahre alt und möchte gerne Gleitschirmfliegen lernen. Seit meiner Geburt habe ich ein Gendefekt, welcher sich unter anderem durch verkürzte Sehnen an Armen und Beinen hervorhebt. Durch das langsamere Wachsen der Sehnen, verformten sich meine Füsse in meiner Kindheit zunehmend zu Klumpfüssen. Um dem Verlauf entgegen zu wirken, stand ein wöchentlicher Termin beim Physiotherapeuten auf dem Programm. Jedoch nahm die Verformung trotzdem stetig zu, wodurch normale Schuheinlagen zu Schienen und handelsübliche Schuhe zu Massschuhe wurden. Mit diesen Hilfsmitteln konnte ich wieder etwas besser gehen – wenn auch nicht schmerzfrei.

 

Meine Pubertät wollte ich natürlich trotzdem so ausleben wie alle anderen. Mit Sport und unvergesslichen Geschichten im Nachtleben. Doch meine Füsse wollten da nicht mitmachen und revanchierten sich mit starken Schmerzen. Da wurde mir die Tragweite meiner Einschränkung auf bittere Weise vor Augen geführt. Trotzdem liess ich es mir nicht nehmen, ab und an mit in den Ausgang zu gehen und den anderen beim Sport zuzuschauen.

 

Mit 17 Jahren war, aufgrund meiner erneut verschlechterten Fussstellung, das Barfussgehen  nicht mehr möglich. Operative Eingriffe waren nun unumgänglich geworden.

 

Heute, sechs Operationen später, kann ich meinen Alltag grösstenteils schmerzfrei bewältigen. Aber die Freizeitgestaltung mit sportlichen Aktivitäten ist immer noch schwierig, da die Grenzen der Machbarkeit nach wie vor bestehen.

 

Vor einiger Zeit bin ich auf den Gleitschirmsport aufmerksam geworden. Ich stellte mir vor wie schön das Gefühl sein muss zu fliegen - einfach grenzenlos durch die Luft zu schweben. Da könnte sogar ich mit den anderen mithalten, denn die Füsse sind beim Fliegen sekundär. Aber so schön der Traum, so schnell die Ernüchterung, dass man ja auch zu Fuss starten und landen muss. Aber so schnell wollte ich nicht aufgeben, der Wunsch war einfach zu gross. Nach einigen Recherchen habe ich eine Flugschule gefunden die perfekt zu mir passt. Dort werden Menschen mit Geheinschränkungen, mit Hilfe von modifizierten Rollstühlen, zu Gleitschirmpiloten ausgebildet. Wow! Mein Traum vom Fliegen ist zum Greifen nah.         
Nach erfolgreicher Grundschulung stand vor kurzem der erste Höhenflug auf dem Programm. Es war unbeschreiblich, diese grenzenlose Freiheit und Selbstbestimmtheit. Ein Moment voller Glücksgefühle und Lebensfreude – das bis dahin beste Erlebnis meines Lebens.

 

 

Fliegen wird oft mit Freiheit gleichgesetzt, und genau das fühle ich in der Luft, grenzenlose Freiheit.

Wenn ich gleitschirmfliege fühle ich mich in jeder Hinsicht frei. Ich kann Berge von oben sehen, die für mich nicht möglich wären zu Fuss zu besteigen. Mein Aktionsradius vergrössert sich dank dem Fliegen markant. Dies ist aber nur einer der vielen Aspekte die mir das Fliegen gibt. Ich verspüre pure Lebensfreude, wenn ich in der Luft bin. Dieses Gefühl kann ich dann am Boden in sämtliche Bereiche meines Lebens einfliessen lassen. Durch das Gleitschirmfliegen habe ich einen neuen Zugang zu mir selbst gefunden, wodurch ich mich und meine Werte besser kennenlernen kann. So kann ich auch mit meiner Einschränkung am Boden besser umgehen, und Sachen die ich früher als Unmöglich hielt, sehe ich heute anders. Es ist sehr vieles möglich, es kommt nur darauf an wie man diese angeht.

Das Fliegen bei der FLUSO verbindet auf einzigartige Weise, Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer mit Fussgängern. Es entsteht eine einzigartige Gruppendynamik wo sich das Geben und Nehmen die Wage hält. Es ist für mich einfach jedes Mal ein wunderschönes Erlebnis mit der FLUSO unterwegs zu sein. Da ich beim Starten Hilfe benötige habe ich bereits in kurzer Zeit sehr gute Freundschaften geschlossen. Denn Gleitschirmfliegen verbindet auf eine Weise, die ich vorher nicht kannte. Einfach genial!

 

   
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